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Alex Ruf - Interview mit dem Hornusser-Urgestein

Shanthini Rajkumar | Bevor wir in die Zukunft und auf die kommenden Feste 2019 blicken, geht es heute nochmals zurück in die Vergangenheit: Alex Ruf, OK-Mitglied und Urgestein der Hornusserszene, nimmt uns im Interview mit auf eine Zeitreise durch 70 Jahre Hornussergeschichte. Er gewährt uns auch Einblick in sein privates Bildarchiv mit Ausschnitten aus vergangenen Hornusserfesten und seiner sportlichen Karriere.

 

Alex Ruf (72), wie lange bist du schon Hornusser?

Seit 68 Jahren, mit 3-4 Jahren habe ich meinen Vater jeweils zum Training und an die Spiele begleitet. Ich war der Nouss-Junge, früher hatte man noch nicht so viele Nousse, die mussten die Jungs dann jeweils wieder zum Bock bringen.

Hast du immer für die HG Toffen respektive HG Belp-Toffen gespielt?

Nein, mein Vater hat für Schlosswil gespielt, wo ich auch eingestiegen bin in den Hornussersport. Knapp zehn Jahre habe ich dann von 1950-59 für Toffen gespielt. Dann 17 Jahre lang für Schlosswil. Im Anschluss war ich von 1977 bis 2000 bei der HG Belp. Bis 2009 war ich dann noch in der Nationalliga A bei Zuchwil und danach ging es wieder zurück zur HG Belp-Toffen. Ich habe jeden Tag 5-6 Stunden trainiert neben meinem Vollzeitjob als Liftmonteur. Ich hatte einen verständnisvollen Chef und konnte das Training neben meiner Arbeitszeit unterbringen.

Bis ich 50-jährig war habe ich in Toffen die Junghornusser betreut und war auch Mitglied der technischen Kommission für 10 Jahre. Aber mit 50 Jahren habe ich beide Ämter abgegeben, damit Jüngere zum Zug kommen. Die sollen sich schliesslich auch einbringen können.

 

Wieso ist dir dieses Hobby so wichtig?

Ich kannte nichts anderes vom Vater her. Man hat einfach gehornusst. Aber ich habe zwischenzeitlich auch noch Fussball gespielt bei Belp und bei den YB Senioren, immer parallel zum Hornussen. Das gab manchmal Konflikte mit den Matches, die immer am Wochenende stattfanden.

 

Welche Funktionen hast du in all diesen Jahren als Hornusser wahrgenommen?

Ich war und bin ein wenig das Mädchen für alles. Daneben war ich Vizepräsident in Toffen und ein Jahr lang Präsident, bevor ich nach Zuchwil ging. 

 

Wie hast du das letzte Fest erlebt, dass die HG Belp ausgerichtet hat, was sind deine Erinnerungen daran? (Eidgenössisches Hornusserfest 1982 in Belp)

Ich habe einen Monat vor den Festen Ferien genommen und habe geholfen die Feste aufzustellen. Ich war sehr gut in Form, aber dann waren meine Resultate nicht zufriedenstellend. Ich kann es mir bis heute nicht erklären. Es war mein schlechtestes Eidgenössisches: Am Fest davor, am Eidgenössischen Hornusserfest 1979, war ich auf dem 2. Platz der Einzelschläger. Ich habe insgesamt fünf Silberkränze für Einzelschlägerpreise an den Eidgenössischen erhalten. Den Goldkranz habe ich leider nie geschafft, dafür hat es mir an Masse gefehlt für den Abschlag. Ich habe es dafür immer mit Schnellkraft wett gemacht.

 

Welche Veränderungen hast du im Hornussen miterlebt?

Materialmässig ist sehr viel passiert: Ich habe mit Hickory Holzstecken angefangen, dann ging es über Metall und Kunststoff zu Carbon. Der Nouss selbst auch, früher war er aus Buchsholz und hatte zum Teil noch einen Kern aus Kork. Heute besteht er aus einem speziellen Granulat aus den Emser Chemiewerken.

Der Stellenwert des Hornussersports ist vielleicht minim grösser als früher, aber nicht viel. Schwingfeste sind viel populärer, auch in der breiteren Bevölkerung. Die HG Belp-Toffen hat, wie andere HGs auch, immer mehr Mühe, Nachwuchs zu finden. Man kann im Hornussen nicht so viel erreichen. Weder grosse Preisgelder noch sonderlich viel Ruhm und Ehre.

 

Was ist die beste und welche die schlechteste Veränderung?

Es gibt gar nichts, dass ich so benennen könnte. Mich stören manchmal die Unterschiede zwischen dem Engagement der Spieler früher und heute.

Als ich zur HG Toffen ging, waren wir eine richtig gute Truppe. Zusammen mit meinem Bruder konnten wir die Mannschaft zu grossen Erfolgen motivieren. Mit der richtigen Einstellung kann man wahnsinnig viel bewirken. Früher haben wir viel mehr gehornusst, hatten 35-40 Spiele pro Saison und jetzt sind es noch 17-20. Eventuell ist das auch familienbedingt: Früher haben die Frauen die Männer vielleicht mehr gehen lassen. Und heute ist man mehr eingebunden, geht zum Beispiel mehr in die Ferien. Auch beruflich ist man mehr gefordert. Ich hatte früher viele Freiheiten und konnte im Job alles flexibel um das Training herum organisieren. 

Impressionen aus dem privaten Bildarchiv von Alex Ruf: Von seinem ersten eidgenössischen Hornusserfest 1955, bis hin zu den Erfolgen, die er mit der HG Zuchwil feiern konnte.

Deine Mannschaft ist diese Saison nicht mit an der Spitze dabei. Woher holst du immer wieder die Kraft und die Hoffnung, um weiter dabei zu sein?

Aus dem Sport. Ich trainiere immer jeden Tag im Sommer, manchmal auch zweimal am Tag. Einfach weil es mir Freude macht, ich bin gerne draussen. Fussball spielen oder Schwingen kann ich nicht mehr, aber Hornussen geht immer noch. Oder dann werkle ich im Hornusserhüttli. Man ist draussen in der Natur, an der frischen Luft. Das ist gesund und hält mich fit.

 

Was begeistert dich am meisten am Hornussen?

Der Sport an und für sich. Die Technik und die Kraft, die es braucht. Heute gehe ich viel Nati A Spiele anschauen, weil es wirklich gute Spiele sind mit Top Athleten.

 

Wie viel Zeit investierst du wöchentlich ins Hornussen?

Zwischen 12-15 Stunden im Sommer. Im Winter spiele ich nicht mehr. Ich habe jetzt aber noch eine B-Lizenz gelöst, damit ich auch bei Zuchwil noch Hornussen kann. Weil ich mit den Belper zu wenig zum Spielen komme.

Das ich viel Zeit ins Hornussen investiere, wusste auch meine Frau, als ich erst mit 50 geheiratet habe. Ich habe ihr gesagt: Hornussen ist die Nr. 1. Sie akzeptiert das bis heute, sonst würde es nicht funktionieren. Die Kameradschaft untereinander ist für mich genauso wichtig wie das Spiel und das beansprucht halt auch viel Zeit.

 

Was ist dein Ämtli bei den Hornusserfesten 2019?

Ich bin zuständig für die Organisation der Einzelschlägerpreise. Und daneben helfe ich auch sonst überall, wo Not am Mann ist!

 

Was erwartest du von den Festen?

Wir wollen Geld verdienen, um die HG Kasse aufzubessern. Ich wünsche mir vor allem, dass wir unfallfrei vom Aufbau über die Spiele bis zum Abbau bleiben. Und natürlich hoffe ich auf Wetterglück. Aber das wichtigste ist, dass man sich auch nach den Festen noch gut versteht.

 

Bis wann willst du noch Hornussen – bis du in die «Rente» gehst?

Solange ich noch gehen kann, wenn man mich auf den Platz tragen muss, höre ich auf. 

Vielen Dank Alex Ruf, die Zeitreise mit dir war unglaublich spannend! Wir wünschen dir noch viele weitere Jahre auf dem Platz und danken dir herzlich für deinen unermüdlichen Einsatz für den Hornussersport.

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